Was der Arbeitsmarkt 2026 bereithält

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Die Wirtschaft wächst langsamer, Unternehmen sind vorsichtiger bei Neueinstellungen und die Arbeitslosigkeit steigt an. Das scheint der Grundton für das gerade begonnene Jahr 2026 zu sein. Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt? Welche Branchen werden darunter besonders leiden? Und in welchen Berufen werden trotzdem mehr offene Stellen zu finden sein?

Schwaches Wirtschaftswachstum, weniger offene Stellen, höhere Arbeitslosenquote

Für 2026 erwarten Ökonominnen und Ökonomen ein sehr moderates Wachstum. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) sagt 1,2% voraus, das BAK Economics prognostiziert sogar nur 0,9%. Beides ist deutlich weniger als in den Jahren zuvor.

In unsicheren Zeiten stellen Unternehmen tendenziell weniger Menschen ein. Das schlägt sich in der Anzahl offener Stellen nieder.

Im 4. Quartal 2025 war gemäss Schweizer Jobradar die Zahl der ausgeschriebenen Stellen gut 8% tiefer als im 4. Quartal 2024. Auch in den anderen drei Quartalen war die Zahl deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Für 2026 wird eine Arbeitslosenquote von bis zu 3,3% erwartet (BAK). Für internationale Verhältnisse ist das zwar tief, für die Schweiz jedoch hoch. Zuletzt hatten wir diese Arbeitslosenquote während und nach der Bankenkrise.

Die gute Nachricht: Es wird gemeinhin angenommen, dass damit der Höhepunkt der Arbeitslosenquote vorerst erreicht sein wird.

Die weniger gute Nachricht: Mit sinkendem Wirtschaftswachstum ist anzunehmen, dass auch die Anzahl offener Stellen weiter abnehmen wird. So kann sich die Arbeitslosenquote nur langsam erholen.

Nur wenige Branchen verzeichnen mehr ausgeschriebene Stellen

Einen Zuwachs an offenen Stellen haben nur wenige Branchen im 4. Quartal 2025 zu verzeichnen.

Von den 41 kategorisierten Branchen gab es gerade mal in 12 Branchen eine positive Entwicklung (4. Quartal 2025 verglichen mit dem 4. Quartal 2024). Die meisten davon erfahren nur einen kleinen Anstieg.

Unter den Branchen mit einer wachsenden Anzahl offener Stellen befinden sich unter anderem:

  • das Gesundheitswesen (+1%),
  • das Baugewerbe (+4%),
  • der Fahrzeugbau (+11%) und
  • die Luftfahrt (+15%).

Dass es im Baugewerbe mehr offene Stellen gibt, könnte darauf zurückzuführen sein, dass für 2026 mehr Bauinvestitionen geplant sind, wie die KOF prognostiziert.

Binnenorientierte Branchen wie das Baugewerbe und systemrelevante Branchen wie das Gesundheitswesen sind in der Regel krisenresistenter und dürften auch 2026 vergleichsweise stabil bleiben.

Die 10 Branchen mit den grössten Einbussen an Stellenanzeigen

Im 4. Quartal 2025 verzeichneten die folgenden 10 Branchen den grössten Rückgang an ausgeschriebenen Stellen verglichen mit dem 4. Quartal 2024:

  1. Versicherungen -18%
  2. Rechts- und Unternehmensberatung -17%
  3. Maschinenbau -12%
  4. Metallindustrie -11%
  5. Energieversorgung -11%
  6. Finanzdienstleistungen -11%
  7. Informatik -10%
  8. Pharma und Chemie -9%
  9. Bildung -8%
  10. Grosshandel -7%

(Für dieses Ranking wurden nur Branchen berücksichtigt, für die im 4. Quartal 2025 mindestens 1’000 Stellenanzeigen ausgeschrieben waren.)

Exportbranchen unter Druck

Laut Einschätzungen des Chefökonomen des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse Rudolf Minsch im SRF Eco Talk leiden exportorientierte Branchen aktuell besonders stark.

Dass der Export harzt, ist schon seit einiger Zeit bemerkbar: In exportorientierten Branchen hat die Zahl ausgeschriebener Stellenanzeigen deutlich abgenommen.

Unter den 10 Branchen, die den grössten Rückgang an Stellenanzeigen im 4. Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichneten, sind 3 grosse Exportbranchen:

  • Pharma und Chemie
  • Maschinenbau
  • Metallindustrie

Diese Branchen dürften auch 2026 unter Druck bleiben, da sich für die Exportindustrie aufgrund von Zoll- und Handelsunsicherheiten sowie Kriegen dereinst keine Entspannung abzeichnet.

KI und Automatisierung

Auch in den Branchen Versicherungen, Rechts- und Unternehmensberatung, Finanzdienstleistungen sowie Informatik wurden 2025 in sämtlichen Quartalen weniger Stellen ausgeschrieben als im Vorjahr. In diesen Branchen dürfte sich der Einfluss von KI und Automatisierung unterdessen bemerkbar gemacht haben.

KI ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und dürfte sich 2026 noch schneller verbreiten. Gerade die Informatikbranche wird dies weiterhin zu spüren bekommen. Unternehmen werden mutmasslich weiterhin zurückhaltend neue Stellen ausschreiben.

Fokus auf Jobs, die direkten Mehrwert produzieren

Ausserdem werden in Zeiten wirtschaftlicher Schieflagen eher Stellen ausgeschrieben für Jobs, in denen ein direkter Mehrwert produziert wird. In den Branchen Versicherungen, Rechts- und Unternehmensberatung sowie Finanzdienstleistungen ist dieser direkte Mehrwert jedoch weniger unmittelbar sichtbar.

Es dürfte deshalb kein Zufall sein, dass zwei Arten von Banking-Jobs, Personalmanagement-Jobs sowie Marketingkommunikations-Jobs und Media-Jobs unter den grössten Verlierern bei den Berufsgruppen sind:

  1. Zahnmedizin-Jobs -60%
  2. Öko-Jobs -49%
  3. Personalmanagement-Jobs -38%
  4. Marketingkommunikations-Jobs -35%
  5. Media-Jobs -31%
  6. Investment Banking-Jobs -29%
  7. Disponenten-Jobs -28%
  8. Call Center-Jobs -27%
  9. Dokumentalisten-Jobs -25%
  10. Private Banking-Jobs -23%

Für dieses Ranking vergleichen wir die 4. Quartale 2025 und 2024. Es wurden nur Berufsgruppen berücksichtigt, für die im 4. Quartal 2025 mindestens 100 Stellenanzeigen ausgeschrieben waren.

Für Jobs, die wenig direkten Mehrwert produzieren, wird es auch 2026 voraussichtlich keine Zunahme an offenen Stellen geben, sofern sich die wirtschaftliche Lage nicht bessert.

Wo es weiterhin mehr offene Jobs gibt

Von den 145 Berufsgruppen, die wir kennen, gab es in gerade mal 5 Berufsgruppen das ganze Jahr 2025 über einen Zuwachs gegenüber 2024:

  • Fahrer-Jobs
  • Transport-Jobs
  • Tierpflege-Jobs
  • Therapeuten-Jobs
  • Gärtner-Jobs

Während der Arbeitskräftemangel grösstenteils abgeflaut ist, dürfte er in operativen, technischen und physisch geprägten Berufsgruppen, wie den 5 oben genannten, weiterhin bestehen.

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