Die grosse Nachfrage nach Fachkräften in der Medizin ist kein theoretisches Problem mehr. Sie betrifft den Alltag in Praxen, Spitälern und Pflegeinstitutionen. Immer häufiger bleiben Stellen über längere Zeit unbesetzt oder müssen durch temporäres Personal abgedeckt werden. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, psychiatrische Versorgungseinrichtungen sowie Einrichtungen der Grundversorgung.
Kantonale Verteilung der offenen Stellen
Untenstehend wird die Anzahl der Stellenanzeigen für Ärztinnen- und Ärztejobs pro Kanton ausgewiesen. Es werden dabei nur Stellenanzeigen von Firmenwebseiten mit Arbeitsort im Inland gezählt. Ein Blick auf die kantonale Verteilung der offenen Ärztinnen- und Ärztejobs (Abb. 1) zeigt deutliche Unterschiede.

Spitzenreiter ist der Kanton Zürich mit 373 ausgeschriebenen Stellen, gefolgt von Bern (220) und Aargau (148). Ebenfalls überdurchschnittlich viele Stellenanzeigen verzeichnen die Kantone St. Gallen (116), Waadt (112) und Luzern (103). Am anderen Ende der Skala stehen kleinere Kantone wie Appenzell Innerrhoden und Nidwalden mit je einer offenen Stelle sowie Glarus (9), Obwalden und Uri mit jeweils 10 offenen Stellen, Neuenburg (12), Jura (13) und schliesslich das Tessin (13).
Diese Zahlen spiegeln einerseits die Bevölkerungs- und Spitaldichte wider, andererseits aber auch die strukturellen Herausforderungen in der medizinischen Versorgung ländlicher Regionen. Gerade in solchen Kantonen verschärft sich die Situation zunehmend. Dort ist es für Spitäler und Praxen schwieriger, Vakanzen zu füllen, was langfristig die medizinische Grundversorgung gefährden könnte.
Langzeitbetrachtung: Aufwärtstrend
Seit Beginn unserer Datenerhebung im Jahr 2012 hat sich die Zahl der ausgeschriebenen Ärztinnen- und Ärztejobs in der Schweiz deutlich und kontinuierlich erhöht (Abb. 2).

Während zu Beginn des Beobachtungszeitraums rund 1’000 offene Positionen gezählt wurden, sind es im Jahr 2025 bereits rund 1’600 Stellen. Zum Stichtag der Erhebung im September 2025 waren es 1’663 offene Stellen. Das entspricht einem Anstieg von über 60% innerhalb von dreizehn Jahren.
Die Kurve zeigt zwar leichte Schwankungen, insbesondere während der Pandemiejahre 2020 bis 2022, doch der übergeordnete Trend bleibt konstant steigend. Der lineare Trendverlauf verdeutlicht, dass der Fachkräftebedarf im ärztlichen Bereich langfristig zunimmt – ein Zeichen für strukturelle Engpässe, die sich nicht allein durch konjunkturelle Effekte erklären lassen.
Besonders stark war das Wachstum zwischen 2018 und 2022, als die Zahl der offenen Ärztinnen- und Ärzte-Stellen erstmals über 1’500 stieg. Den Höhepunkt erreichten die offenen Stellen interessanterweise in der Zeit kurz nach der Pandemie mit 1’884 offenen Stellen im März 2023. Seither pendelt sich die Nachfrage weit über dem langjährigen Durchschnitt ein.
Besonders gefragte Stellen
Die Nachfrage nach Ärztinnen und Ärzten verteilt sich allerdings nicht gleichmässig über alle Funktionen. Einige Bereiche verzeichnen einen besonders hohen Personalbedarf.
Gefragteste Jobs in Spitälern
Die Auswertung der Stellenanzeigen vom September 2025 zeigt: In den Schweizer Spitälern werden derzeit vor allem Assistenzärztinnen und Assistenzärzte gesucht – mit 388 ausgeschriebenen Positionen (Abb. 3).

An zweiter Stelle folgen Oberärztinnen und Oberärzte mit 167 offenen Stellen, gefolgt von leitenden Funktionen wie Spitaldirektorinnen und -direktoren (32) und medizinischen Direktorinnen und Direktoren (7).
Fachrichtungen mit der stärksten Nachfrage
Unter den fachspezifischen Bereichen sind Chirurgie, Innere Medizin und Psychiatrie besonders gefragt (Abb. 4).

Auch in der Gynäkologie, Dermatologie und Ophthalmologie besteht eine konstante Nachfrage nach Oberärztinnen und Oberärzten.
Diese Verteilung zeigt deutlich: Die grösste Nachfrage besteht in der ärztlichen Grundversorgung und in der weiterbildungsrelevanten Spitalstruktur – also dort, wo Nachwuchs ausgebildet, Verantwortung übernommen und der Betrieb sichergestellt wird. Gleichzeitig steigt auch der Bedarf an Führungspersonal und spezialisierten Oberärztinnen und Oberärzten. Der Fachkräftemangel betrifft damit zunehmend alle Hierarchiestufen, vom Assistenz- bis zum Leitungsbereich.
Die attraktivsten Arbeitgeber im Gesundheitswesen
Die meisten offenen Ärztinnen- und Ärzte-Stellen in der Schweiz im September 2025 stammen derzeit von grossen Spitalverbünden und Gesundheitsunternehmen (Abb. 5).

Medbase AG führt die Rangliste mit 48 ausgeschriebenen Stellen an. Dahinter folgen die Insel Gruppe (30) und HOCH Health Ostschweiz (29).
Ebenfalls unter den grössten Arbeitgebern befinden sich das Kantonsspital Baden AG (26), die Solothurner Spitäler AG (23) sowie das Universitätsspital Zürich (23). Knapp dahinter liegen die Psychiatrie St. Gallen (20), die Spital Thurgau AG (20), das Universitätsspital Basel (20) und die Sanacare AG (19).
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die hohe Fachkräftenachfrage im ärztlichen Bereich insbesondere grosse Spitäler und Gesundheitsnetzwerke betrifft – Organisationen, die durch ihre Grösse und Spezialisierung einen konstant hohen Personalbedarf haben. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch private Gesundheitsanbieter zunehmend stark auf dem Arbeitsmarkt auftreten.
Transparenz als Teil der Lösung
Die Auswertungen zeigen klar: Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz hat sich über die letzten Jahre weiter verstärkt und bleibt hoch. Besonders betroffen sind die Kantone Zürich, Bern und Aargau, aber auch in kleineren Kantonen bestehen teils grosse Versorgungslücken.
Am stärksten nachgefragt werden Positionen, die das Rückgrat der medizinischen Versorgung bilden.
Unter den aktivsten Arbeitgebern dominieren grosse Spitalverbünde und Gesundheitsunternehmen wie Medbase AG, die Insel Gruppe und HOCH Health Ostschweiz. Sie verdeutlichen, dass die grosse Nachfrage nach Fachkräften längst die gesamte Branche betrifft – vom Akutspital bis zur ambulanten Versorgung.
Der Fachkräftemangel in der Medizin bleibt eine der grossen Herausforderungen für das Schweizer Gesundheitssystem.
Transparente Arbeitsmarktdaten können helfen, politische Massnahmen, Ausbildungsinitiativen und HR-Strategien gezielter auszurichten. Sie schaffen die nötige Grundlage, um den Personalmangel gezielt anzugehen. Ausserdem ermöglichen sie eine frühzeitige Erkennung der Entwicklungen, sodass Strategien für eine nachhaltige Sicherung der medizinischen Versorgung geplant werden können. Nur wenn die tatsächliche Nachfrage sichtbar ist, können Lösungen entwickelt werden.
Datenbasis und Methodik
Die Analysen basieren auf der täglichen Erhebung sämtlicher Stellenanzeigen auf den Webseiten von Schweizer Arbeitgebern. Der Crawler der x28 AG erfasst die Inserate direkt an der Quelle und vermeidet dadurch Mehrfachzählungen.
Dank einer mehrsprachigen Ontologie bestehend aus rund 145’000 Jobtiteln, über 120’000 Skills und einer umfassenden Firmendatenbank können die Daten konsistent ausgewertet und Berufsgruppen präzise abgegrenzt werden.
Die hier präsentierten Zahlen zeigen den Stand vom September 2025 und werden durch Vergleiche mit früheren Monaten und Jahren ergänzt.
Mehr Einblicke in den Arbeitsmarkt
Wenn Sie tiefer in die Entwicklungen des Schweizer Arbeitsmarktes eintauchen oder eigene Analysen für Ihre Organisation durchführen möchten, unterstützen wir Sie gerne mit unseren Arbeitsmarktdaten, Branchenreports und individueller Datenauswertung. Eine quartalsweise Auswertung des gesamten Schweizer Arbeitsmarktes finden Sie zudem in unserem Jobradar.
