Was ist in den Sommerferien auf dem Arbeitsmarkt passiert?

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Jeden Sommer zeigt sich ein ähnliches Bild: Mit Beginn der Schulferien nimmt die Aktivität auf dem Schweizer Stellenmarkt ab. Doch wie stark ist dieser Effekt tatsächlich und unterscheidet er sich von Jahr zu Jahr? x28 hat über 25’000’000 Stellenanzeigen aus den Sommermonaten 2025 und 2026 ausgewertet. Die Analyse zeigt: Die Sommerflaute ist messbar und fällt 2026 deutlich stärker aus als im Vorjahr.

Die Sommerflaute beginnt nicht überall gleichzeitig

Die Schweiz kennt keinen einheitlichen Beginn der Sommerferien. Da die Kantone unterschiedliche Ferienzeiten haben, setzt auch die Flaute auf dem Stellenmarkt nicht zu einem bestimmten Stichtag ein, sondern baut sich schrittweise auf.

Ab Kalenderwoche 27 befinden sich bereits 18 der 26 Kantone sowie Liechtenstein gleichzeitig in den Sommerferien. Ab Kalenderwoche 30 haben schliesslich alle Schweizer Kantone und Liechtenstein Ferien. Damit beginnt die eigentliche Kernphase der Sommerflaute.

Wie stark sich die Ferien auf den Stellenmarkt auswirken, zeigt ein Vergleich der jeweiligen Ferienwochen (KW 27-32) eines Kantons mit dessen Wochen ausserhalb der Ferien (KW 23-32):

KennzahlenSommer 2025Sommer 2026
Stellenanzeigen(Bestand)-18%-24%
Neue Stellenanzeigen-15%-29%
Impressionen der Stellenanzeigen-30%-33%

Bei allen drei Kennzahlen fällt der Rückgang 2026 stärker aus als 2025. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei den neu publizierten Stellenanzeigen: Während diese 2025 während der Ferien durchschnittlich um knapp 15% zurückgingen, betrug der Rückgang 2026 29%.

2026 zeigt sich ein deutlich stärkerer Einbruch

Besonders sichtbar wird der Unterschied zwischen den beiden Jahren während der Kernferienzeit. In den Kalenderwochen 30 bis 32 (30. Juli 2026 – 09. August 2026) befinden sich alle untersuchten Regionen gleichzeitig in den Sommerferien.

Während die Zahl neuer Stellenanzeigen im Sommer 2025 noch weitgehend stabil blieb, zeigt sich 2026 ein deutlicher Rückgang. Um das Ausmass zu verstehen, lohnt sich der Blick auf zwei Werte:

  • Der Tiefpunkt in einer einzelnen Woche (-37%): In der Kalenderwoche 31 sackten die neuen Inserate besonders stark ab. Verglichen mit dem Niveau direkt vor den Ferien (KW 23/24) wurden 37% weniger Stellen ausgeschrieben.
  • Der Trend über den gesamten Sommer (-29%): Das war allerdings kein einmaliger Ausreisser. Blickt man auf den gesamten 10-wöchigen Ferienzeitraum, lag das Angebot im Schnitt durchgehend 29% unter dem Niveau von normalen Nicht-Ferienwochen.

Der Sommer 2026 bringt über die gesamten Ferien hinweg spürbar weniger Jobs (-29%), mit einem Spitzen-Einbruch von über einem Drittel (-37%) in KW 31.

Auf Basis des derzeitigen Datenstands liegt der bisherige Tiefpunkt des Sommers 2026 in Kalenderwoche 31 (27. Juli bis 2. August). In dieser Woche waren über 254’000 Stellen ausgeschrieben und rund 25’000 neue Stellenanzeigen wurden publiziert. Damit wurden die niedrigsten Werte im gesamten untersuchten Zeitraum von der Kalenderwoche 23 bis 31 erreicht.

2025 war kein vergleichbar ausgeprägter nationaler Tiefpunkt erkennbar. Die unterschiedlichen Ferienzeiten der Kantone verteilten den Effekt über mehrere Wochen. Im Vergleich der individuellen Ferien- und Nicht-Ferienwochen der Kantone wird der Rückgang dennoch deutlich. Ab Kalenderwoche 33/34 normalisierte sich der Stellenmarkt 2025 zunehmend, als die meisten Personen aus den Sommerferien zurückkehrten.

Auch das Interesse an Stellenanzeigen nimmt ab

Neben der Zahl der ausgeschriebenen Stellen verändert sich während der Sommerferien auch die Nutzung der Inserate. Die Impressionen pro Stellenanzeige dienen dabei als Näherung für das Kandidateninteresse, da keine Daten zu tatsächlichen Bewerbungsklicks vorliegen.

Während der Kernferienzeit entwickelten sich die durchschnittlichen Impressionen pro Inserat wie folgt:

  • 2025: von 1,5 auf 1,2 Impressionen pro Inserat
  • 2026: von 1,65 auf 1,5 Impressionen pro Inserat

Die Daten zeigen: Während der Ferien werden nicht nur weniger Stellen ausgeschrieben, sondern auch die Impressionen pro Inserat gehen zurück. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, ob sich Kandidatinnen und Kandidaten während der Ferien tatsächlich seltener bewerben, dafür wären zusätzliche Daten zu Bewerbungsklicks nötig.

Branchen reagieren sehr unterschiedlich auf die Sommerferien

Die Sommerflaute betrifft nicht alle Branchen gleich stark. Besonders auffällig ist der Vergleich innerhalb der fünf Branchen mit den meisten Stellenanzeigen: Bei den drei grössten Branchen – Gesundheitswesen, Baugewerbe und Detailhandel (gemessen an der Anzahl Inserate) wurde 2025 in den Ferien sogar mehr inseriert, 2026 zeigt sich hier ein gegensätzliches Bild.

BrancheSommer 2025Sommer 2026
Baugewerbe+64%-33%
Detailhandel+22%-31%
Gastronomie und Hotellerie-8%-9%
Öffentliche Verwaltung-8%-34%

Im Gesundheitswesen, im Baugewerbe und im Detailhandel ging die Zahl der neuen Stellenanzeigen während der Ferien 2026 jeweils um rund ein Drittel zurück. Damit unterscheidet sich die Entwicklung deutlich vom Sommer 2025.

Es gibt jedoch auch Branchen, in denen die Rekrutierungsaktivität während der Ferien vergleichsweise stabil bleibt oder sogar zunimmt. In der Wasserversorgung lag die Zahl der Inserate 2026 während der Ferien 15% über dem Vergleichsniveau, im Tourismus waren es +8%. Bei Uhren und Schmuck blieb die Zahl praktisch unverändert (±0%), bei Pharma und Chemie war der Rückgang mit -2% minimal.

Am anderen Ende der Skala stehen Branchen mit deutlich stärkeren Einbrüchen. In der Branche Marketing und Kommunikation wurden während der Ferien 2026 47% weniger Stellen ausgeschrieben. Es folgen Umwelttechnik und Dienstleistungen für Private mit -44%, Bildung mit -43% sowie die Möbelbranche mit -43%.

Die Unterschiede verdeutlichen, dass die Sommerflaute nicht als einheitlicher Effekt über den gesamten Arbeitsmarkt betrachtet werden kann. Je nach Branche weichen die saisonalen Entwicklungen erheblich voneinander ab.

Die Sommerflaute 2026 ist deutlich messbar

2026 fällt die Sommerflaute in allen untersuchten Kennzahlen deutlich stärker aus als im Vorjahr, wobei sich die Branchen sehr unterschiedlich verhalten. Ob und wie schnell sich der Stellenmarkt nach der Kernferienzeit erholt, lässt sich mit dem aktuellen Datenstand noch nicht abschliessend beurteilen.

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