Digitales Recruiting lebt von Daten. Doch Daten allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob ein System die Bedeutung dieser Daten versteht. Genau hier setzt eine Ontologie an. Sie verbindet Synonyme, Hierarchien, Skills, Berufsbezeichnungen und Übersetzungen zu einem strukturierten Wissensnetz. Dadurch entsteht für Jobplattformen, HR-Systeme, Personaldienstleister und Unternehmen ein klarer Vorteil: bessere Suche, präziseres Matching und relevantere Ergebnisse.
Eine Ontologie modelliert einen Themenbereich mit Klassen, Attributen und Beziehungen. Ontologien bilden semantische Netze, die menschliche Begriffskonzepte in eine Form übersetzen, die auch Maschinen verarbeiten können. Gerade im Arbeitsmarkt ist das von zentraler Bedeutung, da Berufsbezeichnungen, Skills und Anforderungen selten einheitlich formuliert werden.
Warum klassische Stichwortsuche an Grenzen stösst
Auch wenn KI- und Matching-Funktionen im Recruiting immer verbreiteter werden, bleibt die reine Stichwortsuche in vielen Systemen ein Schwachpunkt: Wer nach «Product Manager» sucht, findet zwar möglicherweise auch «Product-Manager» oder «Productmanager». Ein System ohne semantisches Verständnis erkennt jedoch nicht automatisch, dass «Product Planner», «Produktmanager:in» oder «Chef de produit» in bestimmten Kontexten ebenfalls relevant sein können.
Für Nutzer:innen kann das echt mühsam sein. Sie müssen mehrere Suchbegriffe ausprobieren, Synonyme kennen und im schlimmsten Fall in verschiedenen Sprachen suchen. Gleichzeitig gehen passende Stellen, Profile oder CVs verloren, obwohl sie fachlich relevant wären. Eine Ontologie löst genau dieses Problem: Sie erkennt Zusammenhänge zwischen Begriffen und kann dadurch Ergebnisse liefern, die nicht nur auf Wortgleichheit, sondern auf Bedeutung basieren.
Bessere Suche für Jobplattformen
Für Betreiber von Jobplattformen ist eine Ontologie ein direkter Hebel, um die User Experience zu verbessern. Anstatt nur Treffer zu einem einzelnen Suchbegriff anzuzeigen, kann eine ontologiebasierte Suche auch semantisch verwandte Begriffe berücksichtigen. Wer beispielsweise nach «Product Manager» sucht, erhält auch passende Ergebnisse mit verwandten Berufsbezeichnungen oder äquivalenten Begriffen in anderen Sprachen.
Gerade in der mehrsprachigen Schweiz ist dieser Vorteil von besonderer Relevanz. Der Arbeitsmarkt funktioniert nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Französisch, Italienisch und Englisch. Eine Ontologie schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Stellenanzeigen, Suchbegriffen, Skills und Berufsprofilen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die europäische ESCO-Klassifikation: Sie identifiziert und kategorisiert Berufe, Fähigkeiten und Qualifikationen und zeigt systematisch deren Beziehungen auf. Zudem ist ESCO in 28 Sprachen verfügbar.
Das Ergebnis: Nutzer:innen finden schneller, was sie suchen. Sie müssen weniger Begriffe eingeben und erhalten relevantere Treffer. Dadurch erleben sie die Plattform als intelligenter und hilfreicher.
Präziseres Matching für Arbeitgeber
Die Vorteile einer Ontologie liegen nicht nur bei den Jobsuchenden. Auch Arbeitgeber profitieren davon. Wenn Unternehmen eine Stellenanzeige veröffentlichen, müssen sie diese häufig Kategorien, Berufsgruppen oder Branchen zuordnen. Wird eine Anzeige hier falsch kategorisiert, erscheint sie nicht in den relevanten Suchergebnissen und potenzielle Bewerbungen gehen verloren.
Mithilfe einer Ontologie kann ein System Stellenanzeigen jedoch automatisch analysieren und ihnen passende Kategorien, Jobtitel, Skills und Berufsgruppen zuordnen. Die Anzeige wird dort ausgespielt, wo sie fachlich hingehört. Dadurch wird sie für passenden Arbeitsuchenden sichtbarer. Arbeitgeber erhalten somit nicht einfach mehr, sondern bessere Reichweite.
Unsere x28-Skills-Ontologie selbst umfasst ungefähr 145’000 Jobtitel-Synonyme, 157 Berufsgruppen und 120’000 Skills. Dadurch werden etwa 20x mehr passende Treffer ermöglicht, während die Präzision bei den Matches trotzdem bei rund 97% liegt.
SEO-Vorteile durch semantische Begriffe
Für Jobplattformen hat eine Ontologie zusätzlich einen SEO-Effekt. Wer relevante Synonyme, verwandte Berufsbezeichnungen und mehrsprachige Varianten strukturiert kennt, kann Inhalte besser auf Suchintentionen ausrichten. Eine Plattform muss nicht raten, welche Begriffe Jobsuchende verwenden. Sie kann auf ein geprüftes Vokabular zurückgreifen.
Das hilft bei Landingpages, Kategorieseiten, interner Verlinkung, Suchvorschlägen und der automatischen Erstellung relevanter Inhalte. Gerade bei spezialisierten Jobplattformen kann diese semantische Breite entscheidend sein, um organisch besser gefunden zu werden.
Relevantere Treffer und besser nutzbare HR-Daten
Eine Ontologie ist nicht nur für Jobplattformen wertvoll, sondern auch für HR-Systeme, Talent-Management-Lösungen und CV-Datenbanken. Sie hilft, unstrukturierte Informationen aus Stellenanzeigen, CVs und Profilen in nutzbare Daten zu verwandeln – etwa Jobtitel, Skills, Zertifikate, Branchen oder Senioritätsstufen. Dadurch werden bestehende Daten besser auffindbar und vergleichbar. So entstehen präzisere Suchergebnisse, bessere Matching-Prozesse und eine solide Grundlage für datenbasierte HR- und Arbeitsmarktanalysen.
Von Daten zu Bedeutung – der Nutzen einer Ontologie
Eine Ontologie bringt Ordnung in die sprachliche Vielfalt des Arbeitsmarkts. Sie erkennt, welche Begriffe zusammengehören, welche Unterschiede wichtig sind und welche Beziehungen bestehen. Dadurch entstehen spannende Vorteile sowohl für Jobsuchende als auch für Arbeitgeber. Und für datengetriebene Organisationen bedeutet es eine bessere Grundlage für Analysen, Automatisierung und strategische Entscheidungen.
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