Wie wirkt sich KI auf die drei meist ausgeschriebenen Branchen aus?

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Laut Jobradar gehören das Gesundheitswesen, das Baugewerbe und der Detailhandel aktuell zu den am stärksten nachgefragten Branchen. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die zentrale Frage, wie Künstliche Intelligenz diese Arbeitsfelder bereits heute verändert. Die kurze Antwort lautet: weniger durch den vollständigen Ersatz ganzer Branchen, sondern durch die Verlagerung von Tätigkeiten. KI übernimmt vor allem datenintensive, repetitive oder prognostische Aufgaben und verändert somit die Organisation, Planung und Entscheidungsfindung von Arbeit.

Gesundheitswesen: KI unterstützt, entlastet und priorisiert

KI ist im Gesundheitswesen bereits deutlich stärker in die Praxis eingebunden als viele vermuten. Der aktuelle WHO-Europe-Bericht zeigt, dass 74% der EU-Mitgliedstaaten KI in der Diagnostik einsetzen und 63% Chatbots zur Unterstützung der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten nutzen. Parallel dazu zeigt das Swiss eHealth Barometer 2026, dass Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz KI vor allem bei administrativen oder standardisierbaren Aufgaben für potenziell nützlich halten.

Für die Branche Gesundheitswesen bedeutet das vor allem:

  • Auswertung grosser Datenmengen: KI unterstützt zum Beispiel in der Bilddiagnostik, in der Triage oder bei klinischen Entscheidungshilfen.
  • Dokumentation und Informationsaufbereitung: KI entlastet bei der Dokumentation, bei Zusammenfassungen und bei der Aufbereitung von Informationen.
  • Betriebliche Abläufe: KI verbessert Prozesse wie Ressourcenplanung, Terminmanagement oder die Steuerung von Patientinnen- und Patientenflüssen.

Gerade in einem Umfeld mit Personalknappheit ist das von Bedeutung, da die gewonnene Zeit wieder in die patientennahe Arbeit fliessen kann.

Gleichzeitig stellt das Gesundheitswesen einen Bereich mit besonders hohen Anforderungen an Vertrauen, Transparenz und Governance dar. Der EU AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz; KI-Systeme mit hohem Schadenspotenzial unterliegen strengeren Vorgaben und für Produkte wie Medizinprodukte mit KI gelten ergänzende Anforderungen. Für Organisationen heisst das: Der Nutzen von KI ist real, hängt aber stark davon ab, wie sauber Daten, Prozesse und Verantwortlichkeiten aufgesetzt sind.

Baugewerbe: KI verbessert Planung, Sicherheit und Qualität

Im Baugewerbe zeigt sich KI weniger in Form des direkten «Roboter ersetzt Menschen»-Narrativs, sondern vielmehr in den Bereichen Planung, Überwachung und Qualitätssicherung. McKinsey beschreibt die Bauwirtschaft als riesige, historisch jedoch wenig digitalisierte Branche, in der neue Technologien dabei helfen können, die Produktivität und Ausführung spürbar zu verbessern.

Laut Autodesk ist KI heute in vier Bereichen besonders relevant:

  • Planung: KI führt Projekt-, Wetter-, Material- und Gebäudedaten zusammen, damit Varianten früher und fundierter bewertet werden können.
  • Baustelle: Bild- und Videodaten helfen dabei, Sicherheitsrisiken, Qualitätsmängel oder Abweichungen vom Baufortschritt frühzeitig zu erkennen.
  • Dokumentation und Berichterstattung: KI macht diese Prozesse schneller und konsistenter.
  • Präventive Steuerung: Risiken werden früher sichtbar, bevor sie hohe Kosten verursachen.

Für die Branche Baugewerbe ist dies ein wichtiger Aspekt: KI verändert vor allem die wissens-, koordinations- und kontrollintensiven Anteile der Arbeit. Bauführer:innen, Projektleiter:innen, AVOR, Kalkulation und Qualitätssicherung werden datengetriebener. Das handwerkliche Arbeiten auf der Baustelle bleibt zwar zentral, wird aber zunehmend von digitalen Assistenzsystemen begleitet. Zugleich zeigt sich auch hier: Entscheidend sind nicht nur die Technologie, sondern auch die Verlässlichkeit der Daten und die Akzeptanz in der Praxis.

Detailhandel: KI läuft oft unsichtbar im Hintergrund

Im Detailhandel ist KI vielerorts bereits Alltag, auch wenn Kundinnen und Kunden dies nicht immer direkt wahrnehmen. Laut IBM ist KI im Detailhandel ein Hebel für Produktfindung, Personalisierung, Nachfrageprognosen, Bestandsmanagement und operative Entscheidungen entlang der Lieferkette. KI ist besonders effektiv, wenn grosse Mengen an Transaktions-, Bestands- und Kundendaten vorliegen.

Die grösste Wirkung entfaltet KI im Detailhandel derzeit in vier Bereichen:

  • Nachfrageprognose: KI erkennt Muster frühzeitig und hilft so, Fehlbestände oder Überlager zu reduzieren.
  • Bestands- und Fulfillment-Management: KI unterstützt dabei, Verfügbarkeit, Marge und Lieferfähigkeit gleichzeitig zu optimieren.
  • Marketing: Angebote und Inhalte können gezielter personalisiert werden.
  • Kundenservice: Digitale Assistenten oder automatisierte Antworten entlasten und beschleunigen die Kommunikation.

Retail-Unternehmen setzen KI zudem nicht mehr nur zur Effizienzsteigerung ein, sondern zunehmend auch zur Erschliessung neuer Umsatzpotenziale.

Für die Branche Detailhandel bedeutet dies: Die Funktionen in den Bereichen Disposition, Category Management, E-Commerce, CRM und Supply Chain verändern sich am stärksten. Auf der Verkaufsfläche bleibt menschliche Interaktion in vielen Segmenten wichtig, doch im Hintergrund werden Sortimente, Preise, Bestände und Kampagnen zunehmend datenbasiert gesteuert. KI ist hier also weniger sichtbar als im Gesundheitswesen, operativ jedoch oft schon tiefer verankert.

Sind die meist ausgeschriebenen Branchen weniger von KI betroffen als andere?

Teilweise ja. Viele der am häufigsten ausgeschriebenen Branchen umfassen Tätigkeiten, die sich nicht ohne Weiteres vollständig automatisieren lassen, da sie beispielsweise körperlich, ortsgebunden, zwischenmenschlich oder sicherheitskritisch sind. Das betrifft unter anderem die drei bereits genannten Branchen, aber auch das Bildungswesen oder das Sozialwesen. KI wirkt derzeit aber vor allem bei text-, daten- und wissensbasierten Tätigkeiten besonders stark, wie etwa in der Administration, der Beratung, in Finanzfunktionen oder in Teilen der Informationsarbeit.

Das bedeutet jedoch nicht, dass KI in den am häufigsten ausgeschriebenen Branchen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Auch dort verändert sie die Arbeit bereits: Sie vereinfacht Teilaufgaben, strukturiert Prozesse im Hintergrund neu oder unterstützt Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit. Der wesentliche Unterschied zu stärker exponierten Büro- und Wissensberufen besteht darin, dass KI hier in der Regel nicht den Kern der Tätigkeit verdrängt. Viel häufiger ergänzt sie die bestehende Arbeit und verschiebt den Fokus innerhalb des Berufs auf andere, stärker menschlich geprägte Aufgaben.

Was lässt sich daraus für den Arbeitsmarkt ableiten?

Über alle drei Branchen hinweg zeigt sich dasselbe Muster: KI ersetzt zwar nur selten ganze Branchen, verändert aber spürbar die Aufgabenprofile. Für den Arbeitsmarkt ist deshalb nicht so sehr die Frage entscheidend, ob KI Arbeitsplätze vernichtet, sondern welche Kompetenzen innerhalb stark nachgefragter Branchen an Bedeutung gewinnen. Dazu zählen Datenverständnis, Prozesskompetenz, die kritische Bewertung von Systemempfehlungen und der sichere Umgang mit digitalen Werkzeugen.

Genau das ist eine spannende Beobachtung: Dort, wo heute die meisten Stellen ausgeschrieben werden, verändert KI noch nicht die Existenz der Arbeit, sehr wohl aber deren Zusammensetzung. Wer Arbeitsmarktdaten richtig interpretiert, erkennt somit nicht nur die Nachfrage nach Branchen, sondern auch den technologischen Wandel innerhalb dieser Gruppen.

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