Wenn über den Schweizer Stellenmarkt gesprochen wird, stehen häufig die grossen Arbeitsmarktregionen im Fokus: Zürich, Bern, Aargau, Luzern oder St. Gallen. Dort werden besonders viele Stellen ausgeschrieben, entsprechend prägen diese Kantone viele Auswertungen zum Arbeitsmarkt.
Für fundierte Arbeitsmarktanalysen lohnt sich jedoch auch ein Perspektivenwechsel: In welchen Regionen werden vergleichsweise wenige Stellen ausgeschrieben? Und verändert sich die Interpretation, wenn man die Stellenanzeigen nicht nur absolut, sondern im Verhältnis zur Bevölkerung betrachtet?
Der Schweizer Jobradar der x28 AG erfasst quartalsweise Stellenanzeigen direkt auf den Websites von Schweizer Arbeitgebern und Personaldienstleistern. Im zweiten Quartal 2026 wurden insgesamt 245’579 Stellenanzeigen erfasst. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 mit 251’403 Stellenanzeigen entspricht das einem leichten Rückgang. Die regionale Verteilung dieses Stellenvolumens ist jedoch sehr unterschiedlich.
Absolute Zahlen: kleine Kantone mit wenig Stellenanzeigenvolumen
Auf den ersten Blick gehören im zweiten Quartal 2026 vor allem die kleineren Kantone zu den Regionen mit den wenigsten Stellenanzeigen. Die wenigsten Stellenanzeigen wurden im Jura mit 1’174 Inseraten erfasst. Es folgen Appenzell Innerrhoden mit 1’229, Uri mit 1’616 und Glarus mit 1’841 Stellenanzeigen.
Zu den Kantonen mit vergleichsweise wenigen ausgeschriebenen Stellen gehören ausserdem Appenzell Ausserrhoden mit 1’876, das Tessin mit 2’225, Nidwalden mit 2’425, Obwalden mit 2’673, Neuenburg mit 2’870 und Schaffhausen mit 3’288 Stellenanzeigen.
Diese Rangliste zeigt das absolute Stellenanzeigenvolumen. Sie macht sichtbar, in welchen Kantonen insgesamt weniger Stellen öffentlich ausgeschrieben wurden. Gleichzeitig ist diese Perspektive stark von der Grösse des jeweiligen Kantons geprägt. Ein kleiner Kanton mit wenigen Einwohner:innen und einer überschaubaren Unternehmenslandschaft weist naturgemäss ein geringeres Inseratevolumen auf als ein grosser Wirtschaftsstandort.
Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 zeigen sich bei den Kantonen mit tiefen absoluten Werten nur moderate Verschiebungen. Der Jura stieg von 1’131 auf 1’174 Stellenanzeigen, während Appenzell Innerrhoden von 1’276 auf 1’229 zurückging. Uri blieb mit 1’616 Stellenanzeigen nahezu stabil gegenüber 1’620 im Vorquartal. Auch Glarus veränderte sich nur leicht von 1’858 auf 1’841 Inserate.
Relative Betrachtung: Tessin, Waadt und Genf mit tiefen Werten
Aussagekräftiger wird der regionale Vergleich, wenn die Zahl der Stellenanzeigen ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt wird. Dadurch kann erkannt werden, wie hoch die sichtbare Rekrutierungsaktivität im Verhältnis zur kantonalen Bevölkerung ausfällt.
Bei dieser relativen Betrachtung verschiebt sich das Bild deutlich. So gehören Kantone wie Uri, Glarus oder Appenzell zwar absolut zu den kleineren Stellenmärkten, weisen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl jedoch keine besonders niedrigen Werte auf.
Den niedrigsten relativen Wert verzeichnete im zweiten Quartal 2026 das Tessin mit rund 0,6 Stellenanzeigen pro 100 Einwohner:innen. Ebenfalls vergleichsweise tiefe Werte zeigen sich in der Waadt und in Genf mit jeweils rund 1,1 Stellenanzeigen pro 100 Einwohner:innen. Auch Freiburg mit rund 1,3, das Wallis mit rund 1,4 sowie Jura und Neuenburg mit jeweils rund 1,6 Stellenanzeigen pro 100 Einwohner:innen liegen im unteren Bereich.
Damit wird deutlich: Nicht jeder Kanton mit wenigen absoluten Stellenanzeigen weist auch relativ zur Bevölkerung eine niedrige Rekrutierungsaktivität auf. Umgekehrt können bevölkerungsreiche Kantone trotz höherer absoluter Stellenzahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl vergleichsweise niedrig liegen.
Ein Beispiel dafür ist die Waadt. Absolut betrachtet wurden dort im zweiten Quartal 2026 9’283 Stellenanzeigen erfasst. Damit liegt der Kanton deutlich über kleineren Regionen wie Uri, Glarus oder Jura. Relativ zur Bevölkerung ergibt sich jedoch nur ein Wert von rund 1,1 Stellenanzeigen pro 100 Einwohner:innen. Für Arbeitsmarktanalysen ist diese Unterscheidung zentral.
Warum der doppelte Blick wichtig ist
Absolute Zahlen zeigen, wo das grösste oder kleinste Stellenanzeigenvolumen zu verzeichnen ist. Relative Kennzahlen zeigen hingegen, wie stark die öffentlich ausgeschriebene Nachfrage im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ausfällt. Erst in Kombination entsteht ein differenziertes Bild des regionalen Stellenmarkts.
Für datenbasierte Analysen ergeben sich daraus wichtige Anschlussfragen:
- Welche Branchen prägen die regionale Wirtschaftsstruktur?
- Welche Rolle spielen Pendlerbewegungen?
- Wie stark ist ein Kanton mit angrenzenden Arbeitsmärkten verflochten?
- Und welche Rekrutierungskanäle werden in bestimmten Regionen besonders genutzt?
Gerade in Grenzregionen, kleineren Kantonen oder stark spezialisierten Wirtschaftsstandorten können solche Faktoren die öffentliche Sichtbarkeit von Stellenanzeigen beeinflussen. Auch Sprachregionen, Branchenmix und Unternehmensstruktur können dazu beitragen, dass sich regionale Arbeitsmärkte unterschiedlich stark in den Daten zeigen.
Für Wirtschaftsförderungen, Bildungsinstitutionen, Verbände, Medien, Forschung und datengetriebene HR-Teams ist diese Perspektive besonders wertvoll. Sie hilft dabei, regionale Arbeitsmärkte nicht nur nach ihrem Volumen zu bewerten, sondern auch ihre Struktur und Dynamik besser einzuordnen.
Kleine Zahlen richtig einordnen
Die Regionen mit den wenigsten Stellenanzeigen sind mehr als nur eine Randnotiz. Sie zeigen, wo Arbeitsmärkte kleiner, spezialisierter oder weniger stark öffentlich präsent sind. Gleichzeitig macht der relative Blick deutlich, dass die absolute Anzahl Stellenanzeigen allein nicht ausreichen, um die regionale Rekrutierungsaktivität zu beurteilen.
Der Jobradar Q2 2026 zeigt: Absolut betrachtet weisen vor allem die kleineren Kantone Jura, Appenzell Innerrhoden, Uri und Glarus wenige Stellenanzeigen auf. Relativ zur Bevölkerung rücken jedoch andere Regionen stärker in den Fokus, darunter das Tessin, die Waadt, Genf, Freiburg und das Wallis.
Wer den Schweizer Arbeitsmarkt datenbasiert verstehen will, sollte deshalb beide Perspektiven berücksichtigen: das absolute Stellenanzeigenvolumen und die relative Dichte der Stellenanzeigen. Genau diese Kombination macht sichtbar, wo sich regionale Besonderheiten zeigen und welche Entwicklungen für vertiefte Analysen relevant sein können.
Erfahren Sie als nächstes auch, wie sich KI auf die drei meist ausgeschriebenen Branchen auswirkt.
Möchten Sie den Schweizer Arbeitsmarkt detaillierter analysieren? Die neueste Jobradar-Ausgabe zeigt, wie sich Stellenanzeigen nach Regionen, Branchen, Berufsgruppen und Arbeitgebern im vergangenen Quartal entwickelt haben. Für vertiefte Analysen bietet Ihnen x28 auch individuell auf Ihre Branche, Region oder Fragestellung abgestimmte Arbeitsmarktdaten.
